Der Umbau des Marktplatzes macht rasche Fortschritte. Alles läuft nach den Plänen, die seit langem bekannt sind. Auch die Anpflanzungen folgen diesen Plänen. Doch jetzt fiel offenbar Thomas Büchner (ÖDP) auf, dass die für die Terrassen unterhalb der Stadtkirche vorgesehenen fünf Bäume womöglich gar nicht geeignet sein könnten. Es sind Japanische Schnurbäume. Der Bausenat beschäftigte sich bei seiner Sitzung am Mittwoch mit seiner Anfrage zu den Risiken.

Tatsächlich bezeichnet das Internetlexikon Wikipedia alle Pflanzenteile außer den Blüten (die werden in der chinesischen Küche geschätzt) als „stark giftig“. Es werden Rinde und Samen, besonders aber die Fruchtschale erwähnt. Stadtplanerin Christine Schirmer ist der Eintrag durchaus bekannt, in der es allerdings heißt: Die Fruchtschale soll stark giftig sein. Eine subkutane Injektion des Extraktes wirkt tödlich auf Frosch, Eidechse und weiße Maus. Die Injektion ruft am Warmblütler eine kurzdauernde Blutzuckererhöhung und Glucosurie hervor (…) Das Samenmehl soll, regelmäßig genossen, Gesichts-Ödeme und selbst den Tod verursachen. Sie gab daher zu bedenken, dass wohl kaum jemand an der Rinde des Baumes knabbern wird, geschweige denn er kocht einen Sud, um ihn sich hinterher zu injizieren, oder verspeist die gemahlenen Beeren.

Tatsächlich existiert eine DIN-Norm für die Gestaltung von Parks, Kindergärten und dergleichen. „Nirgends ist dieser Baum auf einer Liste mit Pflanzen, die dort nicht verwendet werden dürfen, nicht einmal was Kindergärten angeht“, sagte Christine Schirmer. Auch der Ratgeber der Deutschen Gemeinde-Unfallversicherung erfasst den Schnurbaum nicht als bedenkliche Pflanze, obwohl solche Bäume schon lange in vielen Städten und Gemeinden stehen. Dass die Landschaftsgärtner sich bei der Planung für den Schnurbaum entschieden haben, hat dagegen gute Gründe, die die Stadtplanerin anführt. „Der Schnurbaum gilt als sehr robust und widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit oder Abgase“, sagte sie. Außerdem gilt er als besonders gute Bienenweide und Nahrungsquelle für Hummeln.Daher werde er vielfach in Parks und Anlagen eingesetzt, etwa in Nürnberg oder München.

Christine Schirmer erinnerte außerdem daran, dass in der freien Natur, aber eben auch in unseren Gärten, Parks und Anlagen vielfach giftige Pflanzen zu finden sind, was sich nicht vermeiden lasse. Während Dominik Heike (CSU) mögliche Risiken doch beschäftigten: „Können wir garantieren, dass einem Kind, das die herunterfallenden Früchte in den Mund nimmt, nichts passiert?“, fragte er. Bernd Gärtner (SPD) hielt entgegen: „Der Deutsche braucht ein Regelwerk an das er sich halten kann, das ist die DIN-Norm und nach der spricht nichts gegen diese Bäume.“ Dritte Bürgermeisterin Elke Protzmann (FW) erinnerte ebenfalls an die Vorteile des Baumes, die zur Entscheidung geführt hatten, Schnurbäume zu pflanzen. Ebenso daran, dass es keinerlei Hinweise gibt, den Baum in Anlagen wie am Neustadter Marktplatz nicht zu verwenden. Daher riet sie, bei der bestehenden Planung zu bleiben und die fünf Schnurbäume auf die Terrassen unterhalb der Kirche zu pflanzen, wie es vorgesehen ist. Der Beschluss, so zu verfahren, fiel schließlich einstimmig.

Rainer Lutz, CT

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